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Joachim Brandmaier (63): „Die Deutschen verlieren schon jedes Jahr Milliarden durch Glücksspiel – lieber investieren statt zocken!“
Wetten, dass …?
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
die Börse hat neue Konkurrenz bekommen, und zwar eine ganz spezielle: sogenannte Prognosemärkte. Falls Sie noch nichts davon gehört haben, kein Problem, ging lange auch an mir vorbei. Aber obwohl es sich dabei im Prinzip um nichts anderes handelt als moderne Wettbüros, ist in den USA hier ein richtiger Hype im Gange. Seit Anfang 2024 haben sich die Einsätze mehr als verhundertfacht! Viele Amerikaner verlassen sich also immer öfter auf ihre Wettkünste – oder das, was sie dafür halten.
Auf Plattformen wie Polymarket wetten sie auf alles, was man sich nur vorstellen kann, von halbwegs vernünftig bis ziemlich verrückt: etwa ob Starbucks übernommen wird oder Amazon erstmals Dividende zahlt; auch auf die Preisentwicklung von Plüschtieren wird hier spekuliert und ob Donald Trump im nächsten Podcast einen Joint raucht. Mehrere Millionen (!) Dollar wurden 2025 sogar darauf gesetzt, dass Jesus auf die Erde zurückkehrt. Das war zwar ein wenig unwahrscheinlich, doch im Erfolgsfall hätten die Wettgewinner immerhin 5.700 Prozent Rendite eingestrichen …
Sind die Amerikaner kirre oder schwappt dieser Trend – wie so oft – auch zu uns rüber? In meinen Augen wird da von den Zockern nur eine neue „Sau durchs Dorf getrieben“, auch wenn es diesmal keine seltenen Erden, BRICS-Aktien, E-Auto- oder Impfstofftitel sind. Auf Prognosemärkten geht es mittlerweile tatsächlich um Milliarden und gerade jüngere Anleger sagen sich: Bevor ich langatmig auf Aktien „wette“ und Jahre auf ordentliche Erträge warten muss, setze ich lieber auf was Flotteres. Aus meiner Sicht ist dabei aber vor allem das Geld flotter weg!
Zugegeben: Auch der Kauf einer Aktie ist gewissermaßen eine Spekulation. Man beteiligt sich an einem Unternehmen und setzt damit darauf, dass es seinen Gewinn steigert und so den Aktienkurs nach oben treibt. Doch Aktien bieten gegenüber den neumodischen Prognosemärkten entscheidende Vorteile: Qualitätswerte haben die Tendenz, auf lange Sicht zu steigen, und deshalb ist die Erfolgswahrscheinlichkeit viel höher. Außerdem erhält man für seine Euros keinen Wettschein mit Ablaufdatum, sondern eine dauerhafte Beteiligung an einem Unternehmen – einen echten Sachwert! Selbst wenn man mal mit seiner Aktienauswahl vorübergehend danebenliegt, fließt meist eine Dividende. Und Aktien können sich auch nach Jahren noch als brauchbare „Wette“ erweisen – was gerade etwa Samsung oder Johnson & Johnson zeigen.
Sollten Sie von Beruf Hellseher sein, dann können Sie jetzt jubeln und Ihre Kunst mit den neuen Möglichkeiten endlich richtig zu Geld machen. Ich finde aber: Zocken bleibt Zocken. Ich wette deshalb, dass Prognosemärkte nie zu einer ernsthaften Konkurrenz für Qualitätsaktien werden. Die neue Ausgabe des Stuttgarter Aktienbriefes ist wieder mal randvoll damit. Als Leser finden Sie das beliebte "Blättle" aus Stuttgart bereits heute, spätestens morgen in Ihrem Briefkasten.
In diesem Sinne Ihr |