|
Joachim Brandmaier, (ab heute 64), Herausgeber des legendären Stuttgarter Aktienbriefes, bleibt auch in der aktuellen weltpolitischen Lage an der Börse sehr gelassen. (... im Bild weiter unten - Labrador Rüde Henry, 8)
Panik ist kein Plan ...
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
wenn man in diesen Wochen die Nachrichten liest oder anschaut, dann hat man schnell das Gefühl: Es steht mal wieder alles auf der Kippe. Der Konflikt rund um den Iran ist eskaliert, Raketen fliegen und jetzt werden sogar Öltanker angegriffen – und in praktisch jeder Nachrichtensendung taucht ein Begriff auf, von dem wahrscheinlich bisher vor allem Geographie-Experten wussten, dass dieser Ort überhaupt existiert: die Straße von Hormus.
Sie wissen das vermutlich: Das ist diese schmale Meerenge zwischen Iran und dem Oman. Das klingt erstmal unspektakulär, ist aber eine der wichtigsten Schlagadern der Weltwirtschaft. Weil da eben rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls normalerweise durch transportiert wird. Und die Relevanz kennen natürlich auch die Iraner, die die Meerenge jetzt faktisch gesperrt haben. Außer natürlich für russische, chinesische und eben iranische Schiffe. Das heißt, der Westen ist quasi von den Öllieferungen aus den Golfstaaten mehr oder weniger abgeschnitten. Manche Schiffe versuchen trotzdem durchzufahren, halt mit abgeschaltetem Radar, aber das Risiko ist natürlich enorm groß. Fakt ist jedenfalls: Wenn in der Straße von Hormus Spannungen entstehen, reagieren die Märkte sofort.
Und genau das sehen wir gerade. Der Ölpreis ist deutlich gestiegen, zeitweise über 100 Dollar pro Barrel. Und wenn Öl teurer wird, dann merkt man das ziemlich schnell auch bei uns. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber ich war diese Woche tanken. Ja, und da hat das Schwabenherz ganz schön geblutet. Diesel hat ja zuletzt die Zwei-Euro-Marke überschritten. Auch Benzin ist in etwa auf dem Niveau. Und keiner weiß, wie lange die Preissteigerungen noch weitergehen.
Was macht die Politik? Ja, wenns nach Wirtschaftsministerin Reiche geht, dann sollen Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Wobei mir das jetzt ehrlich gesagt nicht ganz einleuchtet, weil wenn ich eine Tankstelle betreiben würde und dürfte nur einmal am Tag den Preis ändern, dann leg ich doch direkt ne gewisse Sicherheitsmarge drauf – sprich, es wird eher noch teurer für uns Normal-Autofahrer. Aber gut, Aktionismus ist in der Politik ja immer gerne gesehen.
Für unseren Staat ist das Ganze übrigens durchaus lukrativ: Dadurch, dass der Bund immer 19 Prozent Mehrwertsteuer abbekommt, egal, ob der Sprit bei einem oder zwei Euro liegt, fließt quasi auch ein Fünftel der Preiserhöhung direkt in die Staatskasse. Das wurde jetzt mal ausgerechnet, bringt roundabout 10 Millionen Euro pro Tag - aber das nur am Rande …
Das Thema ist ja um einiges größer, die Spritpreise sind vielleicht nur der Anfang. Denn natürlich löst das sofort die nächste Debatte aus: Kommt jetzt auch die Inflation zurück? Werden die Preise wieder überall steigen?
Und ja – kurzfristig kann das passieren. Energie ist eben einer der wichtigsten Kostenfaktoren in unserer Wirtschaft. Wenn Öl teurer wird, steigen Transportkosten, Produktionskosten, irgendwann auch die Verbraucherpreise. |