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Joachim Brandmaier (64): „Warten heißt nicht, dass man nichts tut! Richtiges Warten ist bewusstes Beobachten – und kann manchmal ganz schön anstrengend sein.“
Warum es sich lohnt, mit dem Kauf zu warten …
Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
die Überschrift wird manch einem komisch vorkommen. Behauptet „der Brandmaier“ sonst nicht immer „jeder Tag sei Kauftag“? Demnach soll man beim Aktienkauf nicht warten, sondern investieren, sobald Geld da ist! Wie passt das mit dem „Warten lohnt sich“ zusammen
Ganz einfach: Warten ist immens wichtig, aber an der richtigen Stelle! Wenn es darum geht, wann man Geld anlegen sollte, bleibt es bei meinem Motto. Aber bei der Aktienauswahl steht Geduld über allem. Wildes Loskaufen, euphorisiert von einem Höhenflug oder dem neuesten Trend, hat aus meiner Sicht wenig mit Investieren zu tun. Das ist Spekulieren!
Warren Buffett, die weltberühmte Investorenlegende, hat bei Alphabet „9.000 Prozent lang zugeschaut“, bis er sich letztes Jahr endlich zum Kauf durchringen konnte. Dass er dann doch zugeschlagen hat, liegt an der erlangten Reife des Unternehmens. Alphabet hat über die Jahre hinweg bewiesen, dass es sich nicht um ein Strohfeuer handelt, sondern dass der Konzern auch Krisen bewältigen kann und es versteht, Kapital so einzusetzen, dass Rendite erzielt wird. Und zwar dauerhaft!
Einige Leser bemängeln, wir würden zu lange warten, bis wir einer Aktie den vierten Diamanten verleihen. Und ja, bei jenen Aktien, die sich tatsächlich als dauerhafte Renditebringer erweisen, wäre früher kaufen logischerweise besser gewesen. Das weiß man aber immer erst im Nachhinein! Um den Tauglichkeits-Nachweis zu erhalten, muss man sich deshalb ein Unternehmen genau anschauen – nicht über Tage, sondern über Jahre. Denn beim Begutachten stellt sich fast immer heraus, dass der „Burggraben“ bei vielen Firmen doch viel schmaler und brüchiger ist als anfangs gedacht.
Wir hatten tatsächlich schon Hunderte Aktien auf unserer Beobachtungsliste, die sich hinterher als nicht gut genug erwiesen haben. Beispiele sind Sartorius, Estee Lauder, Under Armour, United Health oder Fiserv – um nur ein paar zu nennen.
Natürlich entgehen uns teilweise dicke Prozente, die junge Firmen in Einzelfällen hervorzaubern. Aber uns „entgehen“ auch die unzähligen Rohrkrepierer, die Ihr Depot letztlich schlechter abschneiden lassen. Warten ist oft viel schwieriger als Handeln – aber häufig erfolgreicher! Das gilt übrigens nicht nur bei potenziellen Aufstufungen, sondern auch bei Wachstumsaktien, die gerade eine Schwächephase durchlaufen …
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