US-Aktien verkaufen wegen Trump?
Leserfrage: Die imperialistischen Fantasien von Donald Trump machen mir Sorgen, Stichwort Grönland. Jetzt soll der US-Präsident sogar gedroht haben, dass man bald US-Aktien nicht mehr handeln kann. Soll ich lieber noch schnell meine amerikanischen Werte losschlagen?
Antwort: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit hat Donald Trump wirtschaftlich viel Verwirrung mit seinen Zöllen gestiftet und auch politisch eine neue Weltordnung eingeleitet. Sein Ziel: Die amerikanische Dominanz soll wesentlich deutlicher werden. Aber: Er will auch und vor allem die heimische Wirtschaft fördern.
Inwieweit die USA tatsächlich militärisch aktiv würden, um etwa Grönland – oder gar Kanada – an sich zu reißen, sei deshalb einmal dahingestellt. Das kann aktuell wohl niemand sicher beantworten – wir können uns das aber nur schwer vorstellen. Noch wesentlich unwahrscheinlicher erscheint es uns, dass Trump dermaßen in den Kapitalverkehr eingreifen würde und könnte. Schließlich wäre es ein großer Nachteil für US-Unternehmen und das Land, wenn plötzlich kein ausländischer Investor mehr Geld dort anlegen oder es sogar in großem Maßstab abziehen würde. Investoren allein in der EU halten US-Vermögenswerte von etwa zehn Billionen Dollar, vor allem Aktien (etwa sechs Billionen) und Staatsanleihen (zwei Billionen). Der dänische Pensionsfonds ist bereits dabei, seine gesamten Bestände an US-Staatsanleihen zu verkaufen. Offiziell wegen der hohen Verschuldung der Vereinigten Staaten, inoffiziell aber sicherlich wegen der Grönland-Drohungen.
Trotz ihrer militärischen und wirtschaftlichen Stärke haben die USA eine Schwäche: Sie sind bei ihrer Staatsfinanzierung darauf angewiesen, dass ihnen ausländische Investoren kontinuierlich Geld zur Verfügung stellen. Deshalb müssen auch sie darauf achten, dass das Verhältnis nicht zu schlecht wird, sonst würden sich die Geldgeber zurückhalten und die USA müssten viel höhere Zinsen zahlen, was der Regierung sicher nicht gefallen würde.
Alles in allem ist es deshalb sehr wahrscheinlich, dass Trump mit seinen Drohungen in erster Linie austestet, wie weit er gehen kann und wie die Europäer reagieren. Ein ernsthaftes Verbot, dass Europäer ihre US-Aktien nicht mehr verkaufen könnten oder sogar enteignet würden, wie gleich zwei Anrufer befürchteten, halten wir für völlig abwegig. Wir haben bisher auch keine seriösen Quellen gefunden, dass es diese Drohung tatsächlich so gegeben hat, und raten daher klar davon ab, wegen politischer Sorgen gute US-Aktien zu verkaufen. Die Aussichten für die amerikanische Wirtschaft und die führenden Konzerne aus Übersee bleiben gut und es spricht viel dafür, dass die Kurse langfristig weitersteigen – was nicht ausschließt, dass man auch künftig gute Nerven braucht und den ein oder anderen Rückschlag wird aushalten müssen!
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