Brandmaiers Kommentar
DAX-Parkettkamera  · Musterdepot  · Brandmaiers Kommentar · Newsletter ·

 

Wiederkehrende Zahlenspielchen
 

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich mal mit einem unorthodoxen Standpunkt aufmachen: weg mit den Quartalszahlen! Ich weiß, mit dieser Forderung werde ich mich nicht durchsetzen, trotzdem lade ich Sie zu diesem interessanten Gedankenspiel ein.

Wozu gibt es solch kurzatmige Zahlenberichte? Klar, weil es vorgeschrieben ist. Und vorgeschrieben ist es, weil sich ein paar schlaue Köpfe dachten, dass dadurch Transparenz für die Investoren entsteht. Theoretisch eine gute Sache, doch in der Praxis sieht es oft ganz anders aus.

Versetzen Sie sich doch mal in die Lage eines Firmenchefs, der vor Kurzem noch großspurig verkündet hat, dass im laufenden Quartal ein Gewinn von 1,56 Euro pro Aktie erzielt werde. Kurz vor Quartalsende meldet der Buchhalter, dass es vermutlich 1,61 Euro werden. Super Nachricht, eigentlich. Doch ein Chef muss auch schon ans nächste Quartal denken und er könnte die 5 Cent gut dort gebrauchen. Also wird er sein Team darauf ansetzen, einen kreativen Weg zu finden, damit der Überschuss erst im nächsten Quartal verbucht wird. Das ist nicht unbedingt illegal, es gibt bilanztechnische Ermessensspielräume, die dazu ausgeschöpft werden.

Doch die Frage bleibt: Brauchen wir Daueranleger das Ganze? Brauchen wir als Wachstumsstrategen alle drei Monate einen Leistungsausweis, dessen Zahlen womöglich noch durch kreatives Jonglieren zurechtgebogen werden? Denn in den allermeisten Unternehmen wird doch langfristig über Jahre hinweg geplant. Da sind Quartalsberichte nur regelmäßig wiederkehrende Störfaktoren. Analysten arbeiten sich daran ab, erstellen ihre eigenen Prognosen und stillen so den Informationsdurst der Investoren. Und die Firmen achten auch noch peinlichst genau darauf, die Prognosen zu erfüllen, weil es die Börse sonst böse mit ihnen meint. Durch Quartalsberichte ausgelöste Kursschwankungen – in beide Richtungen – ziehen automatisch weitere Kauf- und Verkaufsaufträge nach sich, was wiederum gut für Händler, Handelsplattformen und Banken ist.

Im Grunde sind diese Quartalsspielchen auch nicht weiter schlimm, außer dass sie vielleicht den ein oder anderen längerfristig ausgerichteten Anleger zu unüberlegten Handlungen verleiten.Viel besser wäre es, die ganze Energie, Zeit und Diskussionen, um solche Quartalsberichte zu erstellen, für lohnendere Zwecke einzusetzen. Für Zwecke, die tatsächlich einen langfristigen Mehrwert für das Unternehmen selbst und für uns Aktionäre schaffen.

In diesem Sinne
Ihr

Joachim

 

 

 

 

Ihr Joachim Brandmaier

 

 

 

 

Joachim Brandmaier (57): „Nach dem Quartal ist vor dem Quartal. Machen Sie Ihre langfristige Anlageentscheidung nicht von einem Drei-Monats-Zeitraum abhängig.“

Stand: 10.09.2019

 

 

Noch nicht Leser des Stuttgarter Aktienbriefs? Testen Sie uns jetzt!
Machen Sie einmal zur Probe mit! Mit Ihrer Anmeldung unserem Halbjahrestest erhalten Sie nicht nur ab sofort den Stuttgarter Aktienbrief, einen Sofortzugang zu unserem kompletten Internetauftritt, sondern auch meine Favoriten und ein Begrüßungsgeschenk Ihrer Wahl...

Folgende Themen erwarten Sie in der aktuellen Ausgabe:

Verschuldung der Unternehmen
Die besten Familienunternehmen

Neue Serie: Börsenindizes

... und vieles mehr!

Nutzen Sie jetzt unsere attraktives Begrüßungspaket:

Mitmachen lohnt sich: Hier geht es zum Halbjahrestest ...

Nix