Brandmaiers Kommentar
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Von Pechvögeln und Glückspilzen
 

Liebe Leserinnen und Leser,

für mein Börsenmotto „Jeder Tag ist Kauftag!“ ernte ich regelmäßig Kritik. Nicht wenige Börsianer glauben eben noch immer zu wissen, wann eine Aktie oder die gesamte Börse gerade eher „oben“ oder „unten“ steht. Möglichst günstig zu kaufen, bleibt der Traum eines jeden Anlegers – und das kann ich natürlich gut verstehen.

Aber wie groß wäre überhaupt der langfristige Effekt, wenn es einem tatsächlich gelänge, immer tief einzusteigen? Dazu bin ich jüngst auf ein beeindruckendes Rechenbeispiel gestoßen. Damit es jetzt nicht allzu trocken wird, müssen ein paar Disney-Figuren als Statisten herhalten:

Stellen Sie sich vor, Onkel Dagobert, der Milliardär aus Entenhausen, hätte vor 40 Jahren seine großzügige Ader entdeckt und fortan den Familienmitgliedern Donald Duck, Gustav Gans sowie Tick, Trick und Track einmal im Jahr 10.000 Dollar in die Hand gedrückt, damit sie davon Aktien kaufen können. Gustav Gans ist bekanntlich der Glückspilz der Sippe: Ihm gelingt es ausnahmslos in jedem Jahr, den ultimativen Tiefpunkt beim Einstieg zu erwischen. Die Drillinge Tick, Trick und Track wiederum haben keine Lust, sich mit Aktien zu beschäftigen. Sie haben anderes im Sinn und kaufen einfach immer am Jahresanfang, sobald der reiche Großonkel die Taler rüberschiebt. Und Donald Duck? Der ist der Pechvogel der Familie. Ihm gelingt das Kunststück, jedes Jahr genau zum absoluten Höchstkurs einzusteigen.

Nun reisen wir 40 Jahre weiter in der Zeit und sind in der Gegenwart angelangt. Wie ist es um die Depots heute bestellt? Klar, Glückspilz Gustav Gans hat den größten Geldberg angehäuft: Aus den jährlich zum Tiefpunkt (in den S&P 500) investierten 10.000 Dollar wurden insgesamt gewaltige 8,2 Millionen Dollar! Das entspricht einer Durchschnittsrendite von satten 11,4 Prozent. Tick, Trick und Track, denen alles schnuppe war und die immer am Jahresanfang geordert haben, kommen aber auch auf stattliche 7,8 Millionen Dollar – eine Rendite von 11,1 Prozent. Und der Pechvogel Donald Duck? Selbst er macht aus den insgesamt 400.000 Dollar von Onkel Dagobert im Laufe der Jahre 6,7 Millionen – also durchschnittlich 10,8 Prozent. Einen großen Geldspeicher brauchen heute also alle!

Das Beispiel zeigt: Langfristig entscheidet weniger das perfekte Timing über Erfolg oder Misserfolg an der Börse, sondern vielmehr die Tatsache, dass man überhaupt investiert ist. Den optimalen Einstiegszeitpunkt erwischt in der realen Welt auf Dauer niemand! Genauso unwahrscheinlich ist es aber auch, dass man immer nur ganz oben kauft. Wer also regelmäßig Geld in Aktien investiert, kauft mal etwas höher, mal etwas tiefer – und hat am langen Ende Erfolg damit!

In diesem Sinne: Jeder Tag bleibt Kauftag!

Joachim

 

 

 

 

Ihr Joachim Brandmaier

 

 

 

Joachim Brandmaier (57):
hat gute Argumente für sein Motto „Jeder Tag ist Kauftag“.

Stand: 06.05.2019

 

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