Coloplast: Wohin geht die Reise?

Abschreibung drückt nur vorübergehend.
Lange einer der zuverlässigsten Demografieprofiteure, zehrt Coloplast aktuell schwer an den Nerven der Anleger. Solche Abstürze kommen leider bei den besten Unternehmen manchmal vor. In aller Regel ergeben sich dann aber (Nach-)Kaufchancen, denen man in ein paar Jahren nachtrauert.
Der dänische Medizintechniker, der sein Geld vor allem mit künstlichen Darmausgängen und Inkontinenzprodukten verdient, ist an der Börse aus mehreren Gründen in Ungnade gefallen: Ausschlaggebend war zunächst eine Wachstumsverlangsamung, die nicht zur überdurchschnittlichen Bewertung passte. Dann bewiesen die Dänen mit der Übernahme des isländischen Unternehmens Kerecis kein glückliches Händchen. Der Spezialist für Wundheilung wurde 2023 für 8,9 Milliarden dänische Kronen geschluckt und wuchs zunächst weiter schnell – bereitete zuletzt allerdings Kummer. Weil die US-Krankenversicherung Medicare ihre Erstattungsrichtlinien geändert hat, stagnierte der Umsatz. Coloplast sah sich deshalb gezwungen, den Firmenwert von Kerecis um drei Milliarden Kronen nach unten zu korrigieren.
Allerdings – und das ist für uns wichtiger als solche Einmaleffekte: In allen anderen Geschäftsbereichen wächst Coloplast weiter. Unter dem Strich kletterte der währungsbereinigte Umsatz im ersten Halbjahr um sechs Prozent und auch der Gewinn hätte ohne den Kerecis-Abschreiber um sechs Prozent zugelegt. Für das im Oktober beginnende neue Geschäftsjahr erwarten Analysten trotz allem neue Bestmarken bei Umsatz und Gewinn. Entweder liegen die Experten also komplett falsch oder die Aktie notiert zu tief – wir halten Letzteres für wahrscheinlicher.
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