Darf man „Abspeckspritze“ noch schreiben?

Zum Leserbrief in der letzten Ausgabe von Claudia G, bei Wuppertal erreichten uns gleich mehrere Zuschriften, aber erst einmal zu ihrem Leserbrief:
Diskriminierende Spritzenbezeichnung
… ich fürchte mich davor, erneut von „Abspeckspritzen“ zu lesen. Das gibt mir jedes Mal einen Stich. Bei keiner anderen Aktie schreiben Sie so diskriminierend über eine Patientengruppe. Adipositas ist eine Krankheit, keine moralische Verfehlung. Wirksame Adipositas-Medikamente als „Abspeckmittel“ zu bezeichnen, verharmlost nicht nur die Krankheit, es ist eine verletzende Diskriminierung und Stigmatisierung der Erkrankten. Ich bitte Sie daher, in Zukunft neutrale Begriffe für diese Medikamente zu verwenden, wie zum Beispiel GLP1-Rezeptoragonisten, GLP1-Medikamente, Inkretin-Mimetika, Glutide oder Semaglutid/Tirzepatid. Claudia G., bei Wuppertal
Und hier die Reaktionen unserer Leser:
Leserbrief Frau Claudia G Ausgabe 17
Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe eine etwas differenziertere Herangehensweise an das Thema Adipositas als Frau Claudia G. Nach meiner Ansicht verwechselt sie hierbei Ursache und Wirkung. Die Auswirkungen von Adipositas (z.B Diabetes) sind unbestritten aber die Ursache des Übergewichtes liegt größtenteils doch in der Verantwortung eines jeden einzelnen. Üppiges kalorienreiches Essen und wenig Bewegung führt doch meistens zu Übergewicht Ich fühle mich jedenfalls nicht diskriminiert.Im Übrigen gibt es hierzulande wichtigere Probleme als sich über den Begriff Abspeckmittel zu echauffieren. Mit freundlichen Grüßen, Erika Arnold
Ich bin ja so froh, dass es doch noch Leute mit gesundem Menschenverstand gibt
Danke lieber Herr Brandmaier und Frau Erika Arnold. Es ist ja ganz bequem, Adipositas als eine Krankheit zu bezeichnen, da kann man sich dahinter verstecken und ist die Verantwortung los, schließlich kann man ja nichts für so eine Krankheit. Es ist nur verblüffend, diese Parallelität zwischen zunehmender industrieller Ernährung wie Burger und co. , Veggieburger sowie auch Softdrinks und dem Anstieg der Anzahl von adipösen Menschen. Ich frag mich nur, warum gab es diese angebliche Krankheit nicht vor 50, 60 Jahren oder noch länger zurück, warum tritt die bei den Naturvölkern nicht auf? Wenn der geliebte Hund zu fett wird, wird gesagt, er hat zu viele Leckerlis bekommen oder hat kein artgerechtes Futter erhalten. Wir Menschen sollten mal über artgerechtes Futter nachdenken! Vielleicht hat es ja doch etwas damit zu tun, was man sich so alles unter der Nase reinschriebt. In diesem Sinne eine gute Zeit für alle Börse Aktuell Leser, Ihre Karin Reiter
Mit was Sie sich so alles herumschlagen müssen.
Sehr geehrte Damen und Herren, Adipositas ist nicht angeboren sondern deutet auf einen ungesunden Lebensstil hin. Die Energiebilanz ist dauerhaft positiv. Sich dann in die Krankheit zu flüchten ist einfacher, als den Lebensstil radikal zu ändern. Daher ist „Abspeckspritze“ ganz mein Humor. Den Begriff findet man täglich in der Boulevardpresse. In meinem Depot finden sich daher McDonald und Coca-Cola, deren Produkte Übergewicht erzeugen und Eli Lilly und Novo Nordisk um es ihnen wieder zu nehmen. Kurse und Dividenden sind sehr zufriedenstellend. Da fast ein Drittel der Menschheit unter Adipositas leidet ist es ein Wachstumsmarkt. Nächstes Aktienthema: Mit Wachstumswerten vom Übergewicht profitieren. Aber aufgemerkt: Hier lauern Fettnäpfe und Leserbriefe. Lästerhaft und herzlichst, Martin B. P.S.: Mit was Sie sich so alles herumschlagen müssen.
Schreibt ruhig weiter von der „Abspeckspritze“ oder der „Abspeckpille“
Sehr geehrtes Börse Aktuell Team, lassen Sie sich nicht aus der Ruhe und der gewohnten Schreibweise „Abspeckmittel“ bringen. Sicherlich gibt es Fälle von adipösen Menschen, die nun wirklich nichts dafür können, dass sie einfach zu dick sind. Dazu zählt unter anderem sicherlich auch eine genetische Veranlagung. Nun, sogar Obelix beschwert sich, dass er nicht dick wäre, sondern halt etwas füllig. Dass sein Umfang aber auch daher rührt, das er eben mal schnell zwei Wildschweine verdrückt, davon will er nichts wissen. Nur ist es halt, wie so oft bei den Menschen, alles ist Schuld, nur ich nicht. Und dann werde ich, der nichts dafür kann, auch noch mit dem Wort „abspecken“ angegangen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, mein Bauch ist zu dick – Punkt. Bloß, von nix kommt nix! Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass mir Essen nun einmal einfach gut tut. Ich genieße es gut zu essen. Die Folge, der Bauch wächst ganz einfach. Ich trinke keinen Alkohol und trotzdem habe ich zu viel. Es ist ungesund, da Bauchfett das ungesündeste Fett überhaupt ist. Nur ich habe nicht das Durchhaltevermögen um daran wirklich was zu ändern. Ich versuche nur eine gewisse Grenze beim Gewicht nicht zu überschreiten. Das schaffe ich nun seit gut 15 Jahren. Doch, und das muss ich einfach so sagen, würde ich gerne etwas abspecken. Ich bin nicht beleidigt, das Wort im Aktienbrief zu lesen, denn ich weiß genau, nur ich selbst kann daran etwas ändern. Also bitte, schreibt ruhig weiter von der „Abspeckspritze“ oder der „Abspeckpille“, denn genau das soll doch bezweckt werden. Mit zwinkernden Grüßen, Thomas S.
Ich finde nicht, dass der Begriff „Abspeckspritze“ so völlig falsch ist.
Er ist jedenfalls sinnvoller, als GLP1-Rezeptoragonisten, GLP1-Medikamente, Inkretin-Mimetika, Glutide oder Semaglutid/Tirzepatid. Geht’s noch? Beim erstgenannten Begriff versteht jeder, was gemeint ist, bei den weiteren wissen vielleicht nur Pharmazeuten, Mediziner oder Betroffene worum es geht. Ehrlich gesagt geht es genau darum: Abzunehmen (= Fett reduzieren oder Speck weg, um es mal eindringlich zu sagen). Wenn jemand sich dadurch diskriminiert fühlt, ist es eher eine Sache der Gedanken/des Kopfes. Niemand wurde hier persönlich angesprochen, geschweige denn verurteilt, weil er korpulent oder adipös ist. Hier geht es um Firmen, die entsprechende Medikamente herstellen und deren Aktien. Und die bezeichnet man am besten ohne Fremdwörter-Lexikon. Das war ja immer das Gute am AktienBrief, dass er verständlich geschrieben ist. Wir haben schon genug Sprachregulierung in Deutschland. Gruß
H. Gehrke
‚Diskriminierung‘ und ’Stigmatisierung’
Sehr geehrte Damen und Herren, ohje, der Begriff ‚Abspeckspritze‘ beinhaltet für Frau Claudia G. auch ‚Diskriminierung‘ und ’Stigmatisierung’ Somit wird hier das weit verbreitete ‚Opfer-Dasein‘, das unmittelbar einen Schutz verlangt bedient, statt die Eigenverantwortlichkeit eines Jeden in den Vordergrund zu stellen. Schöner ’Nebenschauplatz’ im Hinblick auf die tatsächlich relevanten Themen unserer Zeit, wie beispielsweise ‚Firmensterben in Deutschland‘, ‚Wohnungsnot‘, ‚Abwanderung‘ usw. Wenn sich Frau Claudia G ähnlich engagiert zu den ‚Hauptschauplätzen‘ dieser Zeit einsetzt, möchte ich mich auf diesem Wege sehr herzlich bei ihr bedanken. In diesem Sinne viele Grüße, Martina B
In Bezug auf den Leserbrief von Claudia G. Folgendes:
Die sogenannte Abnehmspritze war primär für die Behandlung bei Diabetes Typ 2 Patienten gedacht, wo die damit einhergehende Gewichtsabnahme natürlich einen zusätzlichen gesundheitlichen Erfolg brachte, da Diabetespatienten oft übergewichtig sind. Adipositas ist mittlerweile eine anerkannte Krankheit, ab einem gewissen BMI übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Abnehmspritze. Ob man sich an dem Ausdruck „Abspeckspritze“ stört, scheint mir etwas übertrieben. Allerdings möchte ich noch betonen, dass Adipositas nicht mit der Brechstange „iss weniger“ gelöst werden kann, da steckt mehr dahinter, in vielen Fällen ist eine ärztliche Beurteilung notwendig. Klaus H.
WIe ist Ihre Meinung dazu?Schreiben Sie uns: kundenservice@boerse-aktuell.de, vielen Dank!

Mc Donald’s-Filiale in Porto brummt!
Liebes Team des Stuttgarter Aktienbriefs, ich sende Ihnen herzliche Urlaubsgrüsse aus Porto! Auch wenn die Stadt an so vielen Ecken mit diversen Köstlichkeiten lockt, habe ich es mir als Aktienbrief-Leser natürlich nicht nehmen lassen, in einer der wohl mit schönsten Mc Donald’s-Filialen überhaupt (Mc Donald’s Imperial, Praça da Liberdade) vorbeizuschauen. Das Geschäft brummt hier wahnsinnig. Von daher nach Ihrem Motto: (gerade jetzt) kaufen und liegenlassen Herzlichen Dank für Ihre tolle Arbeit und viele Grüße an alle, Kristian F.
Anmerkung der Redaktion: Man beachte auch den Hersteller seiner Turnschuhe …
Views: 655
