EssilorLuxottica: Blick hinter die Kulissen

Mehr Essilor, weniger Luxottica?
Familiengeführte Unternehmen sind an und für sich meist etwas Positives, da die Firmenlenker in der Regel längerfristig denken als ein quartalsgesteuerter Manager von extern. Allerdings können Familien auch für Unruhe sorgen, so wie momentan bei EssilorLuxottica. Beim weltgrößten Brillenunternehmen gibt es momentan Streit zwischen der Konzernführung und der Gründerfamilie. Leonardo Maria Del Vecchio, Sohn vom Luxottica-Gründers und milliardenschwerer italienischer Geschäftsmann, hat das Unternehmen im Streit verlassen. Begleitet wurde sein Abgang von Vorwürfen an den Essilor-Chef Francesco Milleri, dass sich das Unternehmen immer mehr von der ursprünglichen Unternehmenskultur der italienischen Luxottica entfernt und sich stattdessen die französische Essilor-Kultur überstülpt.
Uns erinnert das Ganze etwas an den Familienstreit, den es direkt nach der Fusion zwischen Essilor und Luxottica 2018 gegeben hatte. Damals drückte das auch zwei Jahre lang auf den Kurs, bevor es dann wieder aufwärts ging. Der aktuelle Streit kommt allerdings (aus Börsianersicht) zu einer unpassenden Zeit, da sich die Aktie seit über einem halben Jahr auf Talfahrt befindet. Dennoch dürfte es sich für Wachstumsstrategen auszahlen, die Aktie zu halten oder sogar den tiefen Kurs für einen Nachkauf zu nutzen. Denn erstens wird auch dieser Familienstreit irgendwann beendet. Und zweitens ist EssilorLuxottica trotz allen Zwists hinter den Kulissen weiter auf Wachstumskurs: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um rund 6 Prozent, der Gewinn kletterte sogar um 13 Prozent. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Konzern 2026 ein weiteres Rekordjahr hinlegen, und die Experten sehen auch für 2027 und 2028 zweistellige Gewinnzuwächse.
Insgesamt bleibt der Brillenmarkt ein Wachstumsmarkt, da laut Studien bis zum Jahr 2050 etwa die Hälfte der Weltbevölkerung unter Kurzsichtigkeit leiden soll. Auf lange Sicht entscheiden nicht die Familienprobleme über den Aktienkurs, sondern die fundamentale Entwicklung des Unternehmens. Und die zeigt eindeutig nach oben!
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