Augenreiben bei Essilor?

Smarte Brillen bescheren zweistelliges Wachstum – Dollarschwäche belastet.
Europäische Unternehmen, die viel Umsatz in den USA erzielen, bekommen aktuell die Dollarschwäche zu spüren. Im ersten Quartal notierte die US-Währung gegenüber dem Euro rund zehn Prozent tiefer als im Vorjahreszeitraum. Sprich: Jeder eingenommene Dollar war in Euro entsprechend weniger wert. Der Brillenriese Essilor gehört zu den Leidtragenden, erzielt der Pariser Konzern doch rund 45 Prozent der Einnahmen in Nordamerika.
Da die Manager in den Chefetagen jedoch keinen Einfluss auf die Turbulenzen an der Währungsfront haben und die Schwankungen sich langfristig in der Regel ohnehin immer wieder ausgleichen, sollten Anleger lieber einen Blick auf die bereinigten Zahlen werfen. Und da sieht es bei Essilor nach wie vor hervorragend aus: Währungseffekte außen vor kletterten die Verkäufe in den ersten drei Monaten um elf Prozent auf 7,1 Milliarden Euro (nicht bereinigt waren es vier Prozent).
Essilor profitiert weiterhin von der starken Nachfrage nach smarten Ray-Ban- und Oakley-Brillen, die zusammen mit dem Internetriesen Meta entwickelt werden. Aber auch im traditionellen Geschäft mit Brillengläsern läuft es gut – vor allem bei Gläsern, um Kurzsichtigkeit bei jungen Menschen zu korrigieren, brummt die Nachfrage. Hier sprangen die Einnahmen in den ersten drei Monaten um 26 Prozent in die Höhe. Die Begeisterung der Börsianer für das jüngste Zahlenwerk hielt sich dennoch in Grenzen. Offenbar hatten sich manche ein noch schnelleres Wachstum erhofft.
Schon in den letzten Monaten hatte die Essilor-Aktie kräftig Federn lassen müssen. Nachdem der Boom bei smarten Brillen den Kurs zunächst massiv nach oben getrieben hatte, kamen zuletzt wieder Befürchtungen auf, dass zunehmende Konkurrenz den Erfolg schmälern und hohe Investitionen auf die Margen drücken könnten. Wir sind aber überzeugt, dass sich Essilor als Brillenweltmarktführer ein großes Stück vom Kuchen sichern wird und gleichzeitig auf ein zuverlässig wachsendes Kerngeschäft vertrauen kann. Wir empfehlen Aktionären deshalb, die mitunter heftigen Kursschwankungen zu ignorieren und „in die Ferne“ zu blicken.
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